Gerdi Gutperle Stiftung
{ Aktuelle Information 2011
Interview Gerdi Gutperle
1. Sich im Leben ein Ziel zu setzen, ist wichtig. Noch besser einen Traum zu haben, diesen in die Praxis umzusetzen, macht glücklich. Wann wussten Sie, Ihr größter Lebenstraum ist, ein Gesundheitszentrum für Kinder in Indien zu bauen?
Vielleicht ist Ihnen der Ausspruch von Laotse bekannt: „Der Weg ist das Ziel“. Auf meinem Weg ist das Ziel eng mit dem Traum verbunden, ich könnte sagen: Der Traum ist das Ziel.
Dies stellte sich bei mir schon in jungen Jahren ein. Wie Sie wissen, habe ich selbst drei gesunde Kinder und vier gesunde Enkelkinder, das fünfte ist unterwegs. Schon als Dankbarkeit hierfür ließ ich diesen Wunsch in mir wachsen. Bei meinen Reisen nach Nepal und Indien wurde ich mit der Armut und dem großen Leid der Menschen, insbesondere der Kinder, konfrontiert, was mein Herz tief berührte. Ich wollte mich persönlich für zumindest einen Teil dieser Kinder einsetzen, ihnen helfen, damit sie gesund und vital heranwachsen können. Mit meinen künstlerischen Ambitionen, meinem Weg mit der Kunst, war von Anfang an immer der Gedanke an ein Gesundheitszentrum in Südindien gekoppelt. Dieses aufzubauen, zum Wohle der Kinder, war immer mein Traum, eng verbunden mit dem Erfolg in der Kunst.
Ich wollte etwas zurückgeben von meinem Glück und gleichzeitig meine Aufmerksamkeit auf Kinder richten, deren Zukunft nicht gesichert ist, gerade deshalb, weil in einem Dritten-Welt-Land wie Indien, keine Chancengleichheit besteht und die Ärmsten der Armen immer zu kurz kommen. Somit ist aus meinem inneren Wunsch, der anfänglich ein Traum, dann eine reale Vorstellung war, Wirklichkeit geworden.
2. Indien ist ein Land in dem immer noch etwa die Hälfte der Kinder untergewichtig sind und rund 3.000 Kinder täglich an den Folgen der Unterernährung sterben.
Berichten Sie uns bitte über Ihr dortiges Engagement?
Indien ist ein eigener Kontinent mit der zweitgrößten Bevölkerungsdichte der Erde. Ohne Unterstützung von Industrienationen, großen Organisationen oder auch von Menschen, welche sich mit eigenen Projekten einsetzen, wäre die Zahl, welche Sie genannt haben, noch weitaus höher.
Speziell in Tamil Nadu, dem südlichsten Bundesstaat, finden Sie jedoch eher eine „Fehlernährung“ bei den Kindern als eine Unterernährung. Dies hängt damit zusammen, da das fruchtbare Land in Südindien genügend Reis als Grundnahrungsmittel zur Verfügung stellt.
In unserem Gesundheitszentrum wird deshalb unter anderem auch dafür gesorgt, dass hier durch Zugabe von Nahrungsergänzungsmitteln, Abhilfe geschaffen wird. Durch die Armut die überall vorherrscht kommen natürlich auch chronische Erkrankungen und viele Missbildungen vor. Die hygienischen Verhältnisse tragen dazu bei, dass auch Erkrankungen auftreten, die massiv die Kindersterblichkeit erhöhen. Unser Anteil ist die Gewährleistung der medizinischen Grundversorgung bei Babys und Kleinkindern. Täglich kommen etwa 180 Kinder im Alter von wenigen Monaten bis 15 Jahren zu uns. Hier setzen wir uns ein und helfen medizinisch mit Medikation, Therapien im Reha-Bereich sowie in der Prävention. Wir haben eine eigene Abteilung der Zahnmedizin und führen gezielt Operationen durch die hauptsächlich im orthopädischen Bereich liegen.
3. Marianne Werefkin äußerte sich einst zu ihrer Arbeit: Meine große Freude ist es, das Leben neu zu erfinden, ihm Formen, Farben, Werke zu geben, die es nicht hat. Was motiviert Sie als Künstlerin und Stifterin?
Wenn man sein Bewusstsein erweitert, kann man auch neue Formen und Farben sehen in neuen Zusammenhängen. Man sieht nur, was man weiß.
Vielleicht meinte das Marianne von Werefkin. In jeder Kunst wohnt ein eigener Zauber inne und führt den Künstler zu sich selbst und so schafft man Sichtbares aus seiner eigenen Mitte, was für manche Menschen in der Regel unsichtbar ist oder bleibt. So wie ein Maler denkt, so malt er. Ein Künstler bringt sich selbst zum Ausdruck, er gibt sein tiefstes Inneres in sein Werk und somit für die Menschen preis, die sich erfreuen können.
4. Viele Stifter folgen bei ihrem Engagement im Ausland dem Grundsatz: Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Ist das auch Ihre Richtschnur als Stifterin?
Ja dies ist auch in bestimmten Bereichen bei uns umgesetzt. Die Reha-Abteilung wirkt hier beispielhaft. Die Kinder, die hier zu uns kommen, sollen auch von zuhause aus Ihre Übungen kontinuierlich fortsetzen. Hier erfolgt eine „Schulung “ für die Eltern. Ebenso nutzen wir die Zeit während des Aufenthaltes der Eltern und führen Weiterbildungsmaßnahmen durch, die mehr Wissen vermitteln im Bereich Hygiene und Ernährung.
Es ist uns auch ein Anliegen im Bereich der Prävention, das Bewusstsein wieder für die eigenen Stärken zu reflektieren.
In Indien gibt es in der Naturmedizin große Schätze neu zu entdecken. Diese liegen im Bereich der Ayurveda und der Siddha-Medizin, welche ebenso in unserer Klinik angeboten werden. Durch Schulung und Weitergabe gezielter Informationen auf diesem Gebiet, können die Eltern einiges selbst verbessern im Umgang mit der Krankheit und in ihrem eigenen Umfeld.
5. Es ist Ihnen ein großes Anliegen, das in dem Kindergesundheitszentrum in Sahaya Nagar Vellamadam Schulmedizin und Naturheilverfahren Hand in Hand arbeiten. Könnten Sie uns dazu ein Beispiel geben?
Wie ich bereits erwähnt habe, ist es mir ein großes Anliegen, dass alternative Heilmethoden eingesetzt werden. Die Schulmedizin hat ihre Stärken in der Akutmedizin und findet in der Prävention und einigen anderen Therapieformen eine starke Unterstützung in den alternativen Heilmethoden. Ganz besonders wäre noch die Homöopathie zu erwähnen, welche sich in Indien grundsätzlich großer Beliebtheit erfreut und auch in unserem Gesundheitszentrum angewandt wird.
Ich gehe grundsätzlich davon aus „Wer heilt hat recht“, so dass wir uns darauf konzentrieren und uns nicht so sehr mit der Diskussion auseinandersetzen wollen, die in Europa herrscht, wo die Wirksamkeit immer wieder in Zweifel gezogen wird. In Indien wird seit vielen tausend Jahren bereits mit diesen naturkundlichen Heilmethoden gearbeitet und das sehr erfolgreich. Deshalb haben wir uns auch diesem Segment weit geöffnet. Auf der einen Seite sollen gerade Kinder durch diese Anwendung eine nicht so starke Belastung ihres ohnehin noch nicht gefestigten Immunsystems erfahren auf der anderen Seite ist Indien aus wirtschaftlicher Sicht nicht in der Lage, eine 1 zu 1 Umsetzung eines Gesundheitssystems darzustellen, wie es bei uns vorherrscht. Es ist für Indien nicht zu bezahlen und auch deshalb kooperieren diese Medizinsysteme harmonisch nebeneinander.
6. Ihre Kunstwerke sind oft sehr farbintensiv, wirken surreal, Sie ziehen den Betrachter in Ihren Bann, lassen ihm aber auch die Freiheit der Erschließung.
Dennoch, welche Botschaft haben Sie?
Ich möchte meine eigene Bildwelt schaffen und damit die Menschen in ihren Herzen berühren, verzaubern, erfreuen, für einen Moment alles Unangenehme vergessen zu lassen, wieder das Positive, das Hoffen zu erfahren auf eine lebenswerte Welt. Die Inhalte meiner Bilder wachsen und gewinnen zugleich an Tiefe durch den Blick des Betrachters. Faszinierend ist die Verschiedenheit der Aussagen der Menschen, die Interpretationen sind vielfältig, so vielfältig wie es Menschen und ihre Phantasien zulassen und oftmals ganz anders, als ich es selbst je gesehen habe. Das ist wunderbar und erfüllt mich mit großer Freude.
7. In Deutschland gibt es zahlreiche Stiftungen mit unterschiedlichsten Zwecken in den Satzungen. Nennen Sie uns bitte drei Gründe, sich gerade für die Ihrige, die Gerdi Gutperle Stiftung, zu entscheiden bzw. zu engagieren?
- Die Spendengelder fließen zu 100% in die Stiftung ein, auch alle Einnahmen aus den Verkäufen meiner künstlerischen Arbeiten unterliegen dieser Auflage.
- Es besteht eine gelebte „Transparenz“. Sie können jederzeit durch Berichte oder Besuche erkennen, wie qualitativ hochwertig für die Menschen vor Ort das Angebot ständig verbessert oder auch erweitert wird.
- Mein Herz, mein Engagement fließt in dieses Projekt ein. Meine ganze Liebe gehört den Kindern. Der Einsatz zahlt sich aus. Wenn Sie in die Kinderaugen sehen, in die Seele dieser Menschen, die auch ein Recht auf Zukunft haben, auf eine bessere Welt oder eine Chance durch Hilfe zur Selbsthilfe. Ich möchte die Menschen inspirieren, sich dem anzuschließen und das weiterzugeben, was man selbst in sich gefunden hat. Ich freue mich über jede Spende und bedanke mich schon jetzt für das Engagement, sowie das entgegengebrachte Vertrauen in meine Stiftung. Vielen Dank!
Gerdi Gutperle Stiftung
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